Verfasst von: Margrit | 05.09.2014

Zweigeteiltes Poetenfest

Das Poetenfest an diesem letzten Augustwochenende war zweigeteilt.

Teil 1
Heiter. Sonne, blauer Himmel  und Wölkchen, warm aber nicht heiß, Spätsommer vom Feinsten.

Teil 2
Finster. Regen, Dauerregen, Prasselregen.

Teil 1
Es ging los mit Ulla Hahn am Freitag Abend im Markgrafentheater. Eine pfiffige und launige Dame, mit gutem Selbstbewusstsein und schlagfertig plaudernd, eine vergnügliche Show mit einer klugen Frau.

Samstag nachmittag im Schloßgarten Poetenfest von seiner schönsten Seite. Sehr viel Publikum, aber das verteilt sich gut und verläuft sich doch nicht in dem großen Park zwischen Hauptpodium mit den Dichterlesungen, Nebenpodien, Bilderbuchwiese, Bratwurst- und Kuchenstand, Büchertisch. Sehr anregenden und häufig witzigen Lesungen zugehört (Ulrike Draesner, Peter Wawerzinek, Karin Köhler u.a.), flaniert, Leute getroffen, einfach eine Freude.

Abends im Portrait Navid Kermani, da hatte ich mir mehr von versprochen. War etwas zäh, bin sogar zwischendrin eingenickt …

Teil 2
Am Sonntag waren wir in zwei Diskussionsrunden zu Rußland und zur Ukraine, und so war nicht nur der Himmel finster, sondern auch das den Tag beherrschende Thema. Hat uns ziemlich mitgenommen. Osteuropaexperten und junge ukrainische SchriftstellerInnen haben berichtet vom Maidan und von ihrer jetzigen Situation, ihrem Entsetzen über die russischen Übergriffe. Das war ganz schön bedrückend und auch beängstigend. Man weiß nicht, was noch wird.

Nachmittags statt Schloßgarten Redoutensaal, das ist natürlich kein Vergleich.

Ein versöhnlicher Abschluss war die deutschschreibende Japanerin Yoko Tawada , die ein Buch aus der Sicht dreier Eisbären (darunter der berühmte Knut) geschrieben hat. Die kongeniale Moderatorin Verena Auffermann fragte sie, wie es wohl wäre, sich über die lange Zeit des Schreibens in Eisbären hineinzudenken („wenn man sich so als Eisbär ins Bett legt?“). Aber Y. T. meinte, kein Problem, es würden ja auch Frauen Bücher mit einem männlichen Protagonisten schreiben und umgekehrt, das sei immer eine Frage des Sich-Hinein-Versetzens. „Ich kann mich sicher nicht hundertprozentig in einen Eisbären hineinversetzen. Aber bei Goethe kann ich das auch nicht!“


Responses

  1. Hm, ich hab ja nun mal wieder alles verpasst … und war an besagtem Poetenfestwochenende „familienanlassgesteuert“ in einem norddeutschen Naturschutzgebiet unterwegs. Danke für den schönen Einblick in das Wochenendgeschehen. Der letzte Absatz hängt mir noch nach, denn der Versuch des „Sich-Hinein-Versetzen“ in einen Eisbären bringt mich auf eine Idee. Vielleicht sollte ich es doch einmal mit einem Buch aus Sicht einer Froschprinzessin versuchen? Da habe immerhin eine gewisse Übung in „dezenten“ Identifikationsansätzen … ;~)

    • Superidee – da freue ich mich schon doppelt aufs nächste Poetenfest mit deiner Lesung! Wenn du hier das Froschmuseum plünderst, dann solltest du doch schon das Grundgerüst für dein Buch beisammen haben ^^

      • „Ich (?) – auf dem nächsten Poetenfest?“ Oh, mein Gott, welch steile Karriereerwartungen! Meinst Du, die Welt wartet schon dringend auf die „Froschprinzessin“? ;~) Naja, mit Schutzengelchenunterstützung flutscht es möglcherweise … ^^


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