Stay away from Gretchen war wohl ein Slogan der US Army, um ihre im besiegten Deutschland stationierten GIs von den German Frolleins fernzuhalten. Mit, wie man weiß, mäßigem Erfolg.
Stay away from Gretchen. Eine unmögliche Liebe heißt unser aktuelles Vorlesebuch.

Susanne Abel hat es geschrieben. Es spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal 2015/16 bei der 84jährigen Greta, die langsam dement wird, und ihrem Sohn Tom, der Hauptsprecher der Tagesschau ist, ein hohes Tier. Und einmal in den Jahren 1939 bis 1953, beginnend mit der 8jährigen Greta in Ostpreußen bis zur jungen Vertriebenen in Heidelberg, die einen Schwarzen liebt und von ihm ein Kind bekommt. Was nicht gut gehen kann in einem übel rassistischen und diskriminierenden Nachkriegsdeutschland (und ebenso USA).
Diese Geschichte ist hart. Aber das Buch ist einfach und direkt geschrieben, leicht mitzuempfinden, liest sich gut. Beim Thalia lag es stapel-, ja tischweise ;~)
Mir gefällt die junge kräftige zupackende Greta, die in der Alten nach einem schweren Leben noch durchschimmert. Mir gefällt, wie Tom als arrogantes A…loch geschildert wird, überheblich im Umgang mit den Kolleg:innen, katastrophal mit Frauen. Es stresst ihn, immer und überall erkannt zu werden, besonders wenn es ihm schlecht geht. Aber noch viel mehr hasst er es, wenn er nicht erkannt wird.
Und trotzdem fiebert man natürlich mit bei seinen Recherchen in der Familienvergangenheit. Das Buch mäandert recht gemächlich, aber nun sind wir auf den letzten fünfzig Seiten, da nimmt es mächtig Fahrt auf. Muss jetzt mal fertig werden!
Neueste Kommentare