Verfasst von: Margrit | 26.11.2017

Totensonntag

Der Totensonntag ist mir bisher nie sonderlich präsent gewesen. Dieses Jahr war er es in vielfältiger Weise.

Gestern Samstag war der 25. November, Todestag meines Vaters. Vor vier Jahren ist er gestorben.

Vier Jahre, ist das viel oder wenig Zeit? Mir scheint es eher viel zu sein. Wie war mir jeder Moment seiner letzten Tage, seines letzten Tages noch ein Jahr später, zwei Jahre später gegenwärtig. Jetzt versinkt es langsam. Wenn ich in mein Elternhaus komme, erwarte ich nicht mehr, ihn im Wohnzimmer anzutreffen (dagegen erwarte ich immer noch, dass der Hund an die Tür gelaufen kommt).

Meine Mutter hat sich umgestellt auf das Ohne-ihn-Sein. Es schmerzt, es fällt schwer, aber es ist jetzt normal. „Er ist nicht mehr so viel hier“, sagt sie, „und ich rufe ihn auch nicht so oft. Nur wenn es gar nicht anders geht. Dann kommt er.“

Was für ein Segen.

Beim Telefongespräch mit ihr und mit meiner Schwester erfahre ich, dass sie abends zur Jahrfeier des Todes einer alten Freundin der Familie gehen. Und meine Schwester war morgens bei der Trauerfeier für eine Studienkollegin, die unvermittelt tot in der Wohnung gelegen hatte. „Ich kannte sie gar nicht so gut, aber das nahm dem ganzen nichts von seiner Tragik. Es war unerwartet sehr traurig.“

Abends ein sehr besonderes Konzert in der Altstädter Kirche zum Totensonntag, De Profundis von Hans Gál. Dem Thema Vergänglichkeit gewidmet, Texte u.a. von Gryphius aus der schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen,
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Sonntag eine Todesanzeige.

Wir hatten uns aus den Augen verloren. Aber waren wir nicht gerade noch gemeinsam jung gewesen?!

Nachmittags noch ein Konzert, dieses der Liebe gewidmet. Wir waren von einer Bekannten eingeladen in das uns fremde Ambiente der Neuapostolischen Gemeinde. Es war sehr anrührend.

Wo von Tod die Rede ist, ist auch viel von Liebe die Rede.


Responses

  1. dein Blog heute geht an die Nieren Margrit
    es gibt von Mascha Kaleko , der Berliner Jüdin ,die die schreckliche Zeit überstanden hat in die USA ausgewandert ist, auch ein wunderschönes Gedicht über Abschied
    leider müssen manche so früh gehen–warum?


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