Verfasst von: Margrit | 28.06.2017

Nora

Nora hat mich beeindruckt. Als ich sie das erste Mal sah, erkletterte sie gerade einen Bierkästenturm.

Kennt ihr das, Kästenklettern? Ich bisher nicht. Eine Sommerfestvergnügung, faszinierend sogar beim Zuschauen. Nora stand in den Verstrebungen des obersten von vielleicht fünf Bierkästen, ließ sich von unten einen weiteren reichen, den sie obenauf stellte und erstieg. So schuf sie kletternderweise den zu erkletternden Turm. Sie war mit Gurten gesichert, an einem hohen Kran der Freiwilligen Feuerwehr. Bald mußten ihr die Kästen von unten per Seilwinde angereicht werden, weil sie so hoch oben war, siebzehn, achtzehn Kästen. Die Waden spannten sich, der Kopf wurde rot, der Turm schwankte leicht, sie kletterte weiter. Volle Konzentration.

Ich glaube, es wurden an die dreißig Kästen, eine schwindelerregende Höhe irgendwo nah den Baumkronen. Beim allerletzten – jedenfalls sah ich unten keinen Nachschub mehr – kippte der Turm mit großem Getöse. Nora hing freischwebend in ihren Gurten. Es gab spontanen Applaus des immer zahlreicher gewordenen Publikums und sie ließ sich genüßlich herabsenken zur Erde.

Jetzt konnte ich sie von nahem sehen, ein vielleicht elfjähriges Mädchen, kurze blaue Hose, T-Shirt mit Aufdruck  – kein Einhorn! Kräftige Beine, lange Haare und Pferdeschwanz, offenes Gesicht, beschwingter energischer Gang. Aufgeregt und glücklich. Die hat mir gefallen.

Und ich wußte auf einmal wieder, wie Elf geht.

 


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