Verfasst von: Margrit | 23.09.2016

Wally (79) bloggt USA – Begegnungen

Der junge Mann
Im Gloucester Common Crow Organic Food Market haben wir Kürbissuppe gekauft und draußen gegessen. Als ich wieder reinkomme, fragt der junge Verkäufer, wie es geschmeckt habe. „Oh fine, but look here“, sage ich und zeige auf den Kürbisfleck auf meinem T-Shirt. „Das haben wir gleich!“ Er zieht mit mir los zur Kasse und organisiert mir einen Fleckenstift. Leider ist der nicht so gut zu gebrauchen, aber er gibt nicht auf und bringt mich zum Rest Room, wo ich die Behandlung mit Wasser fortsetze. Und ist hochbefriedigt, als ich am Ende mein nasses aber sauberes T-Shirt präsentiere. „You are sooo nice“, himmelt die junge Kollegin ihn an. Ich kann Ihr nur zustimmen.
Solche Begegnungen habe ich öfters hier. Ich glaube ich habe einen Old-Lady-Bonus.

Der alte Mann
Wir kommen aus „Charly’s Place“, ein alter Mann mit Stock steigt gerade aus seinem Auto und fragt uns scherzhaft: „I hope you girls left some food for me?“ Wir müssen nachfragen: „Sorry, what did you say? We are Germans.“ Er erklärt es uns und ist ganz begeistert: „I was in Germany during Double-U-Double-U-Two. Very nice people.“ „Yes, I am old“ ergänzt er und lüpft sein Käppi, um seine Glatze vorzuführen. Er erzählt, dass er auf Bauernhöfen war und frische Tomaten bekam im Tausch für Schokolade. Er betont noch mal, wie nett die Deutschen sind und endet auf deutsch mit: „Das ist gut. Auf Wiedersehen.“
Dass ein Weltkriegsveteran so freundlich über die Deutschen spricht, hätten wir nicht erwartet und freut uns sehr.

Die alte Frau
Am Witch Trial Memorial in Salem sitzt eine dicke alte Frau in einfachen Klamotten auf einem Mäuerchen, neben sich einen weißen Sack mit Essen und einen Becher. Wir halten sie für eine Bettlerin, ich suche einen Dollar heraus und gehe zurück, um ihn ihr zu geben. „Oh no“, sagt sie, „I need no money. Keep it, you need your money for yourself.“ Aber sie ist keineswegs beleidigt, sondern sehr erfreut über die Freundlichkeit.
Als wir zurückkommen, spricht sie uns wieder an und bedankt sich noch einmal für die nette Geste. Sie erklärt uns, dass sie obdachlos ist und Notquartier in dem Appartementblock hinter ihr hat. Wir wünschen uns gegenseitig Glück für den Tag und fühlen uns beschenkt.


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