Verfasst von: Margrit | 06.07.2016

Zuse, liebe Zuse

Wo früher das IMMD war, also das blaue Informatikhochhaus und das lila Rechenzentrum, sind jetzt noch immer das blaue Informatikhochhaus (heißt jetzt Wolfgang-Händler-Turm) und das lila Rechenzentrum. Und darin klein und fein ein Museum, das ISER, das Rechenhilfen aus zweitausend Jahren ausstellt und insbesondere die ausrangierten Computer aus 50 Jahren Informatikhochhaus und Rechenzentrum beherbergt.

Das Tolle ist, dass die alten Maschinchen (naja, Maschinchen, ziemliche Kästen) nicht nur tot rumstehen, sondern tatsächlich funktionieren. Mit viel Technikerhingabe und -geschick sind sie am Leben erhalten oder wiedererweckt worden.

Wir (= Tech-Fak-Frauen-Stammtisch) haben dort letzten Montag eine Führung gehabt und eine Live-Vorführung der ZUSE 23 von 1961 bekommen – das hat schon was. Von diesem Computer wurden ca. 100 produziert, fünfzehn existieren noch, aber nur die Erlanger ist noch lauffähig. Nicht mal die im Konrad-Zuse-Museum tut es noch! Unser wunderbarer Museumsführer Herr Aures hat uns eindrücklich vermittelt, wie mühsam die Restaurierung war und die ständige Pflege ist. „Also beim letzten Mal vor drei Wochen ging sie noch. Heute werden wir mal sehen“. Sie ging!

Er hatte aber auch immer den Schraubenzieher parat…

Zuse_2016_1

Das ist sie, die ZUSE 23. Herr Aures: „Die Uni hatte eine ZUSE 22 beantragt. Ich bin heilfroh, dass die Mühlen der Bürokratie so langsam mahlten, dass es dann eine 23 wurde. Die 22 war noch ein Röhrencomputer, das ist ja heute gar nicht mehr wartbar. Die 23 ist schon ein Transistorcomputer, und“, das hörte ich jetzt hochbefriedigt, „diese Transistoren bekommt man noch beim Conrad.“

Zuse_2016_2

Einen grünen Lochstreifen Programm einlesen, dann einen Lochstreifen Daten, dann auf Ausführen klicken (=hektisch viele der Tasten diverse Male runterdrücken), zwischendrin mit dem Schraubenzieher kräftig auf einige Transistorplatten klopfen – so brachte Herr Aures die ZUSE dazu, „Zuse, liebe Zuse“ zu spielen. Ohne Soundsystem, auf einem Lautsprecher, der zur Kontrolle Knacktöne je nach angesprochener Speicherstelle von sich gibt^^.

Zuse_2016_3

Und das ist die Verdrahtung der ZUSE von hinten – handgefädelt. Ich glaube, da schreibe ich nochmal extra was zu, auch sehr interessant.


Responses

  1. […] Hier stark vergrößert die Fädelung eines Speichermoduls. Die echten Größenverhältnisse sieht man im Bild unten und im Zuse-Beitrag auf dem dritten Foto. […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien