Verfasst von: Margrit | 27.03.2016

Vom grünen Daumen verlassen

Oder: Nachgesang auf meine allererste Topfpflanze

Begonie

Diese traurigen Überreste waren mal eine Begonie. Eine spezielle Begonie, eine Pflanze mit ganz besonderer Bedeutung für mich, die mich sehr viele Jahre begleitet hat.

Vermutlich war es gar nicht mein versagender grüner Daumen, der sie schließlich dahingerafft hat, sondern schlichtweg das hohe Alter.

Zugelaufen ist sie mir vor fast vierzig (!) Jahren in meiner zweit-allerersten Studentenbude in Erlangen. Keine Ahnung, wie alt sie da schon war, jedenfalls hatte die Wohnungsbesitzerin sie bereits ausquartiert und meiner Möblierung zugeschlagen. Und mir gerne vermacht, als ich nach einem Jahr weiterzog. Seitdem hat sie viele Stationen mit mir mitgemacht, volle WG-Küchen und zugige Büros, Nord- und Südfenster überstanden, zwischendrin Jahre in fremder Pflege verbracht.

Die Blattbegonie ist keine Schönheit. Nicht umsonst heisst sie auch Schiefblatt. Sie wächst immer mächtig Richtung Sonne also Fenster, schief und krumm wird sie dabei, und kahl in Richtung Zimmer. Dann habe ich sie immer rigoros umgedreht, was sie mit etwas Schlaffheit quittierte, bis sie sich aufrichtete und – sich unerschütterlich wieder zum Licht drehte. Ging’s ihr gut, so wucherte sie wie wild und streckte ihre Blätterarme weit aus. Nach Rückschnitt nur umso freudiger!

Diese Pflanze war unkaputtbar. Zwischenzeitlich konnte ich sie wirklich nicht mehr ausstehen mit ihren riesigen haarigen Blättern und mickrigen nackten Blüten und habe sie sträflich vernachlässigt, in Dauerausleihe gegeben, einen ganzen Winter lang sogar auf dem Balkon „vergessen“. Irgendwann reumütig zurückgeholt und mit der Zeit tatsächlich so richtig ins Herz geschlossen und ab da auch ordentlich versorgt. (Mensch reift eben mit dem Alter. Sogar Topfpflanzen können einem Lehrerin sein.) Trotzdem war mehrmals nur noch ein Strunk und Blatt übrig, ähnlich wie auf dem Foto oben, aber immer erwuchs sie frisch und neu! Bis zum letzten Herbst. Ihr Siechtum beunruhigte mich nicht mehr, aber diesmal war tatsächlich alles zu spät.

Seitdem gibt es von meiner Lieblingstopfpflanze nur noch ein Foto. Und jetzt diesen Blogbeitrag. Ich denke gerne an sie – das war schon etwas ganz Besonderes zwischen uns.


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