Verfasst von: Margrit | 04.11.2013

Mein Kinooktober

Nur ein Film im Oktober, aber der kann locker für zwei oder drei zählen. Nicht nur wegen seiner Länge, fast vier Stunden, ein ganzer langer Kinonachmittag, sondern auch von den Eindrücken her, die er hinterläßt, den Bildern im Kopf, der Berührung.

Die andere Heimat
Edgar Reitz selbst, wir haben ihn in Frankfurt auf der Buchmesse erlebt, findet das kurz, schliesslich dauert seine berühmte Heimat-Trilogie über das 20. Jahrhundert fast 60 Stunden… Die andere Heimat nun spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, im selben Hunsrückdorf, zu der Zeit schrecklich arm. Die Menschen in Deutschland träumen vom Auswandern in bessere Lebensumstände, und sie tun es in Massen. Im Film sieht man immer wieder die Trecks aus ganzen Familien mit ihren Planwagen fortziehen, es sieht aus wie im Western. Ich hatte nicht gewußt, dass es auch in Deutschland so zuging.

Und man sieht das alltägliche bäuerliche Leben, Arbeiten, Feiern, Sterben. Edgar Reitz hat erzählt, wie detailversessen er das zum Leben erweckt hat. Sein Schmiedschauspieler zum Beispiel mußte wirklich schmieden, die Nägel für ich-weiß-nicht-was im Film hat er produziert. Die Kleider sind alle aus Materialien und mit Techniken der Zeit hergestellt. Es wurden die alten Getreidesorten angebaut. Die Schauspieler lebten und lernten Wochen oder Monate in einem
brasilianischen Ort, wo die Nachfahren der Ausgewanderten den Hunsrückdialekt noch so sprechen wie hier längst nicht mehr.

Der Film ist ein Genuß für die Augen, alle Sinne, und nochmal die Augen. Über weite Strecken schwarz-weiß, aber wie dann die Farbe eingesetzt ist! Ein langsamer Erzählstrom, der einen einsaugt und klüger, irgendwie demütiger wieder ins 21. Jahrhundert entläßt. Wunderbar!


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