Verfasst von: Margrit | 03.03.2013

Mein Kinofebruar

Auch diesen Monat waren wir wieder fleißig im Lamm und im Manhattan, und daneben haben wir das Programm noch mit Heimkino abgerundet.

Steven Spielberg, Lincoln
Ein fantastischer Hauptdarsteller, Daniel Day-Lewis, der den Oscar dafür wirklich verdient hat, in der Rolle eines außergewöhnlichen bedeutenden Mannes, der in dem Film allerdings für meinen Geschmack ein bisschen viel Heldenverehrung abbekommt. Ein Film fast ohne Frauen, und die einzige kam sehr schlecht weg, na ja vielleicht war das ja historisch bedingt.
Das Thema der Abschaffung der Sklaverei in den USA ist natürlich faszinierend, der hier dargestellte Teil des Weges weniger: bestand aus jeder Menge Geschachere, undurchschaubaren Verhandlungen und politischen Ränken. Als filmisches Geschehen so naja.

Geschmack von Rost und Knochen
Côte d’Azur mal nicht glamourös, sondern sozusagen von unten. Es hat mir gefallen, einfach eine schön erzählte Liebesgeschichte zu sehen. Die spielt zwischen einer jungen Frau, die bei einem Unfall beide Unterschenkel verliert, und einem Bodybuilder mit reichlich verkrachter Existenz, denen es gelingt, sich aneinander aufzurichten.
Verblüffenderweise sieht man die (im wahren Leben durchaus zweibeinige) Hauptdarstellerin Marion Cotillard tatsächlich mit Beinstümpfen, dann mit Prothesen. Muss ein Zauberding der Filmtechnik sein.

Margarete von Trotta, Rosa Luxemburg (DVD)
Verwirrend zu sehen, wie Hannah Arendt (Barbara Sukowa) auf einmal Rosa Luxemburg ist 😉

Frida Kahlo (DVD)
Wunderschön und sehr anrührend. Zumal wir das Blaue Haus in Mexico Stadt ja auch schon in echt gesehen haben.

The Artist (DVD)
Stummfilm und Schwarzweiß, und das 2012 – der anachronistische Film war der große Abräumer bei den Oscars letztes Jahr. Ich hatte ihn verpaßt, aber so viel habe ich nicht versäumt, finde ich jetzt. Trotzdem ein Heidenspaß, ihn im Kreise meiner Stammtischfreundinnen anzuschauen!
Ein Spiel mit Ton und Stumm- und Nicht-mehr-stumm-Film, viele tolle Szenen und Ideen – der Tanz mit dem Anzug! das Anzuganziehen in der Schaufensterscheibe!

Oskar Roehler, Quellen des Lebens
Etwas weniger als die fast 3 Stunden hätten es wohl auch getan. Die erste Hälfte über die Nachkriegszeit und 50er Jahre in Unterfranken und Nürnberg, später Berlin, waren ja sehr erhellend, seine schwierige Familiengeschichte und Kindheit hat der Sohn der Exzentrikerin Gisela Elsner und des Egomanen Klaus Roehler sehr eindringlich mit den Entwicklungen der BRD verquickt. Danach gab es mehrere Stellen, wo allgemein im Kino die Vorstellung herrschte, „aha, gutes Filmende“, aber nein, weiter ging’s…
Ach ja, tolle prominente Schauspielriege!

Quentin Tarantino, Django Unchained
Damit komme ich zum beeindruckendsten von allen. Ein Film wie ein Vorschlaghammer.  Muss man unbedingt gesehen haben, braucht aber echt gute Nerven. Ich war in Schweiß gebadet am Ende.
Es war das erste Mal, dass ich mich in einen Tarantino getraut habe. Gewaltszenen ertrage ich nur bedingt, und ich wußte, hier spritzt das Blut heftig. Aber ich wollte, endlich, unbedingt, Tarantino ist schließlich Kult. Und, ich kann es nur sagen, er hat mich extremst beeindruckt. Sehr brutal, und zugleich auch lustig, und einfach ganz ganz stark.
Eine Geschichte, die zu Lincoln, den Südstaaten, Sklaverei passt, total gegen den Strich erzählt. Kontrafaktisch nennt sich das, habe ich gelernt. Hat Quentin Tarantino auch im Vorgängerfilm Inglorious Basterds schon so gemacht, wo jüdischen Widerständlern ein Attentat auf Hitler gelingt. Hier ist es ein Schwarzer, und er wird frei und befreit seine Frau mit Hilfe eines weißen (netterweise deutschen) Kopfgeldjägers, und er bekommt seine Rache an den Weißen.
Wie gesagt – reintrauen und anschauen!

Wes Anderson, The Royal Tenenbaums(TV)
Seit ich letztes Jahr Moonrise Kingdom gesehen habe, diesen verrückten Pfadfinderfilm, habe ich einen neuen Lieblingsregisseur: Wes Anderson. Von dem hatte ich vorher noch nie etwas gesehen. Deshalb war ich hocherfreut, als jetzt sein früher Film Die Royal Tenenbaums im Fernsehen kam, und er hat mich nicht enttäuscht! Ich liebe diese ausgeflippten und doch irgendwie aus dem Leben gegriffenen Figuren, diese leicht surrealen Landschaften und haarsträubenden Lebensumstände. Und alle Personen kämpfen auf ihre eigenwillige oft schrullige Art hartnäckig um ihr Lebensglück.
Moonrise Kingdom habe ich übrigens zweimal angeschaut, das zweite Mal im Sommernachtskino im Liegestuhl in der ersten Reihe vor der großen Leinwand, die über dir gigantisch in den nächtlichen Himmel aufragt. Und dann mit den Filmhelden durch den kanadischen Wald stapfen – ein Traum!


Responses

  1. […] Film, auf den ich sehr gespannt war und mich gefreut habe, nachdem ich letztes Jahr von Django Unchained so hin und weg war. Aber – der Film war ein Flop! Schlicht und ergreifend langweilig. Zuviel […]


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